{"id":13134,"date":"2020-11-11T20:03:38","date_gmt":"2020-11-11T19:03:38","guid":{"rendered":"https:\/\/mwehle.eu\/wp\/?p=13134"},"modified":"2020-11-12T20:22:52","modified_gmt":"2020-11-12T19:22:52","slug":"der-geist-des-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wehle.ee\/wp\/?p=13134","title":{"rendered":"Der Geist des Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2020-11\/donald-trump-kapitalismus-max-weber-georg-simmel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Thomas Assheuer, Die Zeit<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Zu den \u00e4rgerlichen Begleitsch\u00e4den, die\u00a0Donald Trumps Pr\u00e4sidentschaft\u00a0der Nachwelt hinterl\u00e4sst, z\u00e4hlt die unvermeidliche Selbstgerechtigkeit seiner Kritiker. Ein derart schamloser Mensch setzt jeden und jede, der oder die sich einen Funken Anstand bewahrt hat, zwangsl\u00e4ufig ins Recht; zugleich macht er die Anw\u00e4lte der liberalen Kultur denkfaul und erspart ihnen die Frage, wer das Feld bestellt hat, auf dem Trump ernten konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u03a9\u00a0\u03a9\u00a0\u03a9<\/p>\n<p>Beunruhigender ist eine Sicht auf Trump, die ihn nicht als Ausrei\u00dfer, als r\u00e4tselhaften Zwischenfall betrachtet, sondern als Symptom einer unbegriffenen Krise. Oder mit\u00a0<a class=\"\" href=\"https:\/\/www.newsweek.com\/henry-kissinger-trump-russia-putin-1035017\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">einem Wort von Henry Kissinger<\/a>: als &#8222;eine jener historischen Gestalten, die von Zeit zu Zeit erscheinen, um das Ende einer \u00c4ra einzul\u00e4uten und sie zu zwingen, ihre alten Schutzbehauptungen aufzugeben&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.newsweek.com\/henry-kissinger-trump-russia-putin-1035017\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kissinger<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;I think Trump may be one of those figures in history who appears from time to time to mark the end of an era and to force it to give up its old pretenses. It doesn&#8217;t necessarily mean that he knows this, or that he is considering any great alternative. It could just be an accident.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2020-11\/donald-trump-kapitalismus-max-weber-georg-simmel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Assheuer<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Tats\u00e4chlich erhielt Trump\u00a0<a class=\"\" href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/interactive\/2020\/11\/03\/us\/elections\/results-president.html?action=click&amp;module=Spotlight&amp;pgtype=Homepage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">nach derzeitigem Stand der Ausz\u00e4hlung<\/a>\u00a0bei dieser Wahl mindestens acht Millionen Stimmen mehr als 2016 und w\u00e4re beinahe zum zweiten Mal zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt geworden. Doch was machte sein urspr\u00fcngliches Erscheinen m\u00f6glich? Und wie zerr\u00fcttet muss eine Gesellschaft sein, um einer solchen Figur zur Macht zu verhelfen? Hatte sie den Typ Trump bereits erwartet?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u03a9\u00a0\u03a9\u00a0\u03a9<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu heutigen System\u00adtheoretikern besa\u00df Simmel ein feines Gesp\u00fcr f\u00fcr die Dialektik der Befreiung. In der kapitalistischen Gesellschaft, so f\u00fcrchtete er, gehen die Zirkulation des Geldes und die Bewegung des Lebens bruchlos ineinander \u00fcber. Aus dieser Verschmelzung entstehe ein neuer Sozialcharakter, gerissen und gierig, ebenso geizig wie verschwendungss\u00fcchtig, extrem &#8222;selbstisch&#8220; und ohne jede R\u00fccksicht &#8222;ethischer Art&#8220;. In Simmels Augen war dieser Zyniker wie geschaffen f\u00fcr die &#8222;Menschheits\u00adtrag\u00f6die der Konkurrenz&#8220; mit ihrer &#8222;W\u00fcstheit und Erbitterung&#8220;, denn selbst seine innersten Gef\u00fchle investiert er ins Geld.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u03a9\u00a0\u03a9\u00a0\u03a9<\/p>\n<p>Vier Jahre nach Simmels Meisterwerk erschien Max Webers\u00a0<a class=\"\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/1983\/39\/die-protestantische-ethik-und-der-geist-des-kapitalismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus<\/em><\/a>. Auch Webers Gedanken kreisen um den Sozialcharakter der Zukunft, um jenen kalten, geistlosen Menschentyp, der auftritt, sobald der Kapitalismus die alteurop\u00e4ische Tradition abgestreift und sich ohne Rest in eine kapitalistische Kultur verwandelt hat. Markt und B\u00fcrokratie bilden nun ein &#8222;stahlhartes Geh\u00e4use&#8220;, aus dem der alte Geist gewichen ist \u2013 der &#8222;siegreiche Kapitalismus jedenfalls bedarf dieser St\u00fctze nicht <span class=\"\" style=\"white-space: nowrap;\">mehr (\u2026)<\/span>. Auf dem Gebiet seiner h\u00f6chsten Entfesselung, in den Vereinigten Staaten, neigt das seines religi\u00f6s-ethischen Sinnes entkleidete Erwerbsstreben heute dazu, sich mit rein agonalen Leidenschaften zu assoziieren.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u03a9\u00a0\u03a9\u00a0\u03a9<\/p>\n<p>Doch die zornpolitische Polarisierung in den\u00a0<em>culture wars<\/em> war nur ein willkommener Nebeneffekt \u2013 der arkane Code seiner Politik war ein anderer, und auch hier f\u00fchren die Spuren 100 Jahre zur\u00fcck, zu den konservativen Intellektuellen der Zwanzigerjahre. Denn mit welchen politischen Rezepten antworteten sie auf Simmels Zeitdiagnose? Wie reagierten sie auf Webers Behauptung, der Kapitalismus sei ein stahlhartes Geh\u00e4use, dem niemand entkommen k\u00f6nne?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u03a9\u00a0\u03a9\u00a0\u03a9<\/p>\n<p>Der Mensch, so Ernst J\u00fcnger, sei nun einmal\u00a0<a class=\"\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/1982\/35\/kaelte-und-kitsch\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ein Bildertier<\/a>. Er hungert nicht, wie die Linke glaubt, nach Gerechtigkeit. Er hungert nach mythischem Stoff.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u03a9\u00a0\u03a9\u00a0\u03a9<\/p>\n<p>Hannah Arendt hatte schon recht. &#8222;Die idealen Untertanen sind Menschen, f\u00fcr die die Unterscheidung zwischen Fakten und Fiktionen und zwischen wahr und falsch nicht mehr existiert.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Much of Assheuer&#8217;s essay explains Trump as developing from <span class=\"\" style=\"white-space: nowrap;\">20<sup class=\"\">th<\/sup> Century<\/span> capitalism, however a variation applies of course to other political actors, to the phenomena of brand loyalty, feverish addiction to television shows. He is describing people freed from responsibility via their allegiance to image.<\/p>\n<blockquote><p>Kampf ist die Metaphysik des Kapitalismus. Trumps h\u00f6hnisches &#8222;<span class=\"\" style=\"white-space: nowrap;\"><a class=\"\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2020-10\/rudy-giuliani-borat-film-donald-trump-buergermeister-new-york\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>You\u2018re fired<\/em><\/a><\/span>&#8220; verwandelte den Vorrat an Dem\u00fctigungen, die die Konkurrenz\u00adgesellschaft f\u00fcr den Einzelnen zuverl\u00e4ssig bereith\u00e4lt, in schrilles Entertainment, in ein alternativloses Spiel des Schicksals.\u00a0<span class=\"\" style=\"white-space: nowrap;\"><em>Up and down<\/em><\/span>\u00a0geht die Wiege des Lebens, und wie an der B\u00f6rse gibt es darin Aufstieg und Fall, Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck sowie die Genugtuung \u00fcber den Absturz der anderen. Wer von einer Welt tr\u00e4umt, in der sich Gerechtigkeit nicht auf Markt\u00adgerechtigkeit reimt, der ist ein Sozialist, und &#8222;Sozialisten&#8220; wie Joe Biden nehmen dem amerikanischen B\u00fcrger bekanntlich die Waffen weg, ohne die sie im gottgewollten \u00dcberlebenskampf untergehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u03a9\u00a0\u03a9\u00a0\u03a9<\/p>\n<p>Es waren \u00fcbrigens Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, die in dieser Bewusstseins\u00adsteuerung das gef\u00e4hrliche Potenzial der westlichen Massenkultur erkannten, eine realistische M\u00f6glichkeit, um die freiwillige Unterwerfung der B\u00fcrger unter die Verh\u00e4ltnisse zu erzwingen, die l\u00fcckenlose Vergesellschaftung des Subjekts. Der Einzelne solle sich &#8222;mit dem Gebotenen abfinden&#8220; und freudig sein Fatum begr\u00fc\u00dfen: Die &#8222;<a class=\"\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/1998\/10\/thema.txt.19980226.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kulturindustrie<\/a>\u00a0bietet denselben Alltag wieder an&#8220;, alles soll &#8222;zum Ausgangspunkt zur\u00fcckf\u00fchren. Das Vergn\u00fcgen bef\u00f6rdert die Resignation, die sich in ihm vergessen will&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Assheuer is uneven. He namedrops Simmel, Weber, Arendt, Adorno, Horkheimer in describing the Trump era, which he I think very correctly connects with the previous century and a half of American capitalism, however he concludes by saying responsibility for the <span class=\"\" style=\"white-space: nowrap;\">21<sup class=\"\">st<\/sup> Century<\/span> rise of China lies with Trump, rather than with the societal forces which he had been previously describing as resulting in Trump&#8217;s presidency.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Assheuer, Die Zeit: Zu den \u00e4rgerlichen Begleitsch\u00e4den, die\u00a0Donald Trumps Pr\u00e4sidentschaft\u00a0der Nachwelt hinterl\u00e4sst, z\u00e4hlt die unvermeidliche Selbstgerechtigkeit seiner Kritiker. 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